Als Objektleiterin einer Reinigungsfirma steht Heike unter Dauerstress: Täglich jongliert sie mit personellen Engpässen, dem Druck ihrer Vorgesetzten und unzufriedener Kund*innen. Zu ihren Angestellten ist sie oft hart, und auch sich selbst gönnt sie keinen Moment zum Durchatmen. Als sie einen illegal beschäftigten Arbeiter des Subunternehmers Vadym fest anstellen möchte – auch um ihn eine Bleibeperspektive in Deutschland zu ermöglichen – gerät Heike in ein moralisches Dilemma: Der Subunternehmer droht mit dem Abbruch der Zusammenarbeit, es sei denn, Heike sichert ihm mehr Arbeitsstunden zu. Doch dazu muss sie eine ihrer Reinigungskräfte feuern – und dafür einen Kündigungsgrund finden.
Regisseur Kilian Armando Friedrich hat nach dem Schulabschluss selbst als Gebäudereiniger gearbeitet. Den schonungslosen Alltag im Niedriglohnsektor inszeniert er nun mit dem Tempo und der Intensität eines Thrillers. Die bewegliche Handkamera folgt Heike durch ihren Berufsalltag und macht ihre Hektik und ihre Überlastung vom ersten Moment an spürbar. Mitreißend wird erzählt, wie sie als ambivalente Figur in einen immer auswegloseren Strudel aus Erpressung und moralischen Grauzonen gerät. An Heikes Position lässt sich beobachten, wie wirtschaftlicher Druck nach unten weitergegeben wird und in systemischer Ausbeutung münden kann. Doch der Film bleibt nicht bei Hoffnungslosigkeit stehen: Am Ende zeigt er auch gegenseitige Solidarität und kollektive Organisierung als möglichen Weg aus der Selbst- und Fremdausbeutung. Mit einem Ensemble aus Laiendarsteller*innen und einer dokumentarisch anmutenden Bildgestaltung gibt der Film einen authentischen Einblick in die Reinigungsbranche: einen durch und durch systemrelevanten Dienstleistungssektor, der aber oft unsichtbar gemacht und abgewertet wird. Hauptdarstellerin Sabine Thalau, die selbst seit vielen Jahren als Objektleiterin arbeitet, legt in ihrer ersten Rolle überhaupt eine mitreißende Schauspielleistung hin.