Jeff Smith, Vorsitzender einer Pfadfinder-Organisation im Mittleren Westen der USA, hat eigentlich nicht von einer politischen Karriere geträumt. Aber als ein Senator seines Bundesstaats stirbt, schlagen einflussreiche Leute vor, dass er das hohe Amt im US-Kongress übernehmen soll. Was Smith nicht ahnt: Senator Paine und der Unternehmer Taylor suchen bloß einen naiven Ja-Sager ohne parlamentarische Erfahrung. Die beiden wollen ein Gesetz für den Bau eines Staudamms voranbringen, der ihrem eigenen Vorteil dient. In Washington stellt der Idealist Smith fest, dass im Politikbetrieb ein rauer Umgang herrscht. Die Presse berichtet mit Spott über ihn, Kollegen wollen seine Vereidigung verhindern. Mithilfe seiner klugen Mitarbeiterin Clarissa Saunders findet sich Smith allmählich zurecht und bereitet seinen ersten Gesetzesentwurf vor: Die Idee eines Ferienlagers für „Boy Scouts“ aus dem ganzen Land bedroht jedoch das Vorhaben von Paine und Taylor – das Camp soll am selben Ort gebaut werden wie der Staudamm.
Die Komik von MR. SMITH GEHT NACH WASHINGTON ergibt sich zwar aus einer klassischen Fish-out-of-Water-Story, aber in der Darstellung der demokratischen Prozesse ist der Schwarz-Weiß-Film ernsthaft und ambitioniert: Viel Zeit widmet Capra der Choreografie von Rede, Gegenrede und Reaktionen im Parlament. MR. SMITH GEHT NACH WASHINGTON ist im politischen Sinne ein Film über das Sprechen und über die Stimme(n): Redekunst kann Idealen oder korrupten Interessen dienen; eine Stimme Identität und Werte verraten. Mit seinem Spiel zeigt Hauptdarsteller James Stewart buchstäblich, dass Smith seine Stimme im politischen Diskurs erst finden muss. Seinerzeit gab es scharfe, nicht weniger ideologische Kritik daran, dass der Film dem „amerikanischen“ Image der Institutionen schade. Neben der Skepsis gegenüber Politik und Lobbyismus formuliert Mr. Smith allerdings auch einen Glauben an die Kraft der freien Rede, die in der Demokratie durch die Grundrechte geschützt wird.
Der Film läuft im Rahmen des bpb-Sonderprogramms „250 Jahre Freiheit für alle? Filmische Perspektiven auf die USA“ und wird im englischsprachigen Original mit deutschen Untertiteln (OmU) gezeigt.