Rückblick auf zwei großartige SchulKinoWochen Berlin 2018

Regisseur und Autor Wim Wenders im Gespräch mit den anwesenden Schulklassen über die analoge und die digital restaurierte Fassung seines Films DER HIMMEL ÜBER BERLIN. (c) Fabian Weichselbaumer

Die 15. SchulKinoWochen Berlin gehen mit erneutem Besucherrekord und vielen großen Kino-Momente zu Ende

Mit mehr als 250 Kinovorstellungen in über 40 Spielstätten haben die von VISION KINO und dem JugendKulturService veranstalteten 15. SchulKinoWochen Berlin vom 16. – 30. November ein umfangreiches Programm für Grund- und Oberschulen gezeigt. Erstmals nahmen am Hauptprogramm mehr als 20.000 Schüler*innen und ihre Lehrkräfte teil. Mit den Vorführungen der Kooperationsprogramme haben damit zum allerersten Mal über 30.000 Schüler*innen und Lehrer*innen den Unterricht ins Kino verlegt! Bereits im letzten Jahr hatten rund 27.000 Schüler*innen die Berliner SchulKinoWochen besucht. Die erneute Steigerung auch in diesem Jahr zeigt deutlich, dass die Integration von filmpädagogischen Angeboten und den SchulKinoWochen-Besuchen im Besonderen in den Schulen zugenommen hat.

Impressionen der SchulKinoWochen Berlin finden Sie in unserer Fotogalerie.

Erstmalig mit einem Dokumentarfilm eröffnet

Den Startschuss für die diesjährigen SchulKinoWochen Berlin hatte der preisgekrönte Dokumentarfilm WILDES HERZ von Charly Hübner und Sebastian Schultz gegeben. Die beiden Filmemacher waren zu Gast im Passage Kino Neukölln und sprachen mit den anwesenden Schulklassen über ihren Film, dessen Entstehungsgeschichte und die Bedeutung eines vielseitigen Diskurses für unsere demokratische Gesellschaft.

Volle Vorstellungen: Publikumslieblinge 2018

 

 

 

 

Publikumsliebling im Hauptprogramm war der Dokumentarfilm UNSERE ERDE 2. Gleich mehr als 2.400 Schüler*innen tauchten in die Welt der Giraffen, Zebras, Kolibris und vieler weiterer Tiere ein und erlangten Einblicke in die vielseitige Kameraarbeit von Naturfilmern.

Auf Platz zwei der Kinofilme mit den meisten Besucher*innen lag die Literaturverfilmung DIE KLEINE HEXE. Auch beim Road-Movie THILDA & DIE BESTE BAND DER WELT oder dem Spielfilm FANNYS REISE, der eine Fluchtgeschichte aus dem Zweiten Weltkrieg aus Kinderperspektive erzählt, fieberten, bangten und hofften viele Schüler*innen und ihre Lehrkräfte mit den Figuren auf der Leinwand mit.

Die zahlreichen Buchungen für die Dokumentarfilme THE TRUE COST – DER PREIS DER MODE, WILDES HERZ oder WELCOME TO SODOM aus unserem Programm für Oberschulklassen sind ein Zeichen für die große Nachfrage an dokumentarischen Formaten, die verschiedenste gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Themen beleuchten. Lehrer*innen nutzten diese Angebote, um sich mit ihren Schüler*innen kritisch mit diesen Themen auseinanderzusetzen und zugleich filmische Gestaltungsmittel und Wirkungsmechanismen zu betrachten.

Große Kino-Momente: Film Filmschaffenden im Gespräch

Regisseur Wim Wenders zu Gast bei den SchulKinoWochen Berlin 2018 (c) Fabian Weichselbaumer
Emma Bading (li) und Sonja Ewers (re) (c) Fabian Weichselbaumer

 

 

 

 

 

 

 

Wie lässt man Haare im Film brennen? Wie ist es, einen Schauspielkollegen vor der Kamera zu küssen? Und ist man auch nach mehreren Filmen als Schauspielerin noch aufgeregt? Einblicke in ihre Arbeit gaben Hauptdarstellerin Emma Bading und Produzentin Sonja Ewers im Rahmen der Vorführung ihres Films MEINE TEUFLISCHE GUTE FREUNDIN.

Xara Eich und Vincent Borko, die den Figuren Thilda und Grim aus THILDA & DIE BESTE BAND DER WELT ihre Stimme geliehen haben, sprachen über lustige Versprecher, ihre Erfahrung und warum man als Synchronsprecher*in auch schauspielern können muss.

Als besonderen Gast freuten wir uns, Regisseur und Autor Wim Wenders im Kino willkommen zu heißen, der im Rahmen der Vorführung seines digital restaurierten Films DER HIMMEL ÜBER BERLIN Fragen zur Entstehung, Ästhetik und Rezeption seines Films beantwortete. Anhand eines Teils der originalen 35mm-Kopie aus dem Archiv ging Wim Wenders im Gespräch mit Louis Klamroth auf die Veränderung und Abnutzung des analogen Materials und die Notwendigkeit digitaler Restaurierungen ein.

Ihr Filmerleben vertieften darüber hinaus zahlreiche Klassen in Gesprächen mit der Cutterin und Co-Autorin Beatrice Babin (ELDORADO), dem Drehbuchautor Matthias Pacht (DIE KLEINE HEXE), dem Regisseur Florian Opitz (SYSTEM ERROR), dem Produzenten Nick Pastucha (DAS SYSTEM MILCH) oder mit der Kamerafrau Jana Fitzner (SUPA MODO).

Besonders hervorzuheben ist die heterogene Zusammensetzung des Publikums, durch welche SchulKinoWochen-Veranstaltungen für verschiedenste Lerngruppen zu inklusiven Erlebnissen wurden. Schüler*innen aus Willkommensklassen erlebten Filme gemeinsam mit Regelschulklassen, Klassen mit unterschiedlichen Förderschwerpunkte und außerschulischen Projektgruppen.

Auf und neben der Leinwand: Sonderveranstaltungen, Workshop- und Fortbildungsangebote

Großen Anklang fanden in diesem Jahr neben den Filmgesprächen auch die gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung durchgeführten Kinoseminare oder die Expertengespräche und Workshopangebote.

Bei der Auftaktveranstaltung des Filmprogramms 17 Ziele – EINE Zukunft, gemeinsam durchgeführt mit Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), sprachen über 200 Schüler*innen mit Gunther Beger, Abteilungsleiter im BMZ und Anne Neumann von FEMNET e.V. über den Film THE TRUE COST und faire Mode.

Darüber hinaus konnten im Rahmen des Filmprogramms zum Wissenschaftsjahr 2018 – Arbeitswelten der Zukunft Expertinnen mit ihrem Fachwissen die Filmgespräche bereichern. Dr. Claudia Ermel von der TU Berlin beantwortete nach dem Film BAYMAX – RIESIGES ROBOWABOHU die Fragen zahlreicher Grundschulkinder. Diplomingenieurin Dr. phil Inka Greusing von der TU Berlin teilte nach der Vorstellung von HIDDEN FIGURES – UNERKANNTE HELDINNEN ihre Erkenntnisse aus der interdisziplinären Frauen- und Geschlechterforschung mit dem Schülerpublikum.

In Workshops und Filmgesprächen zu dem Film LOLA RENNT, der 20 Jahre nach seinem Erscheinen in seiner restaurierten Fassung in unserem Fokus „Film-Stadt Berlin“ zu sehen war, widmeten sich Schüler*innen der Filmmontage. Die Jüngeren wanderten durch die Filmgeschichte und verglichen die Verfilmung von EMIL UND DIE DETEKTIVE aus dem Jahr 1931 mit Filmausschnitten aus den Filmen der Jahre 1954 und 2001. Begegnung mit Klassikern der Filmgeschichte machten die Schüler*innen auch im Rahmen des Programms „Film – A Language Without Borders“. Unter anderem zu den Kurzfilmen JEMIMA & JOHNNY und DER ROTE BALLON wurde Unterrichtsmaterial geboten, das die integrative und verbindende Kraft der gemeinsamen Auseinandersetzung mit Film stärken soll.

Bereits im Vorfeld der SchulKinoWochen hatten sich Lehrer*innen im Rahmen von zwei Fortbildungsveranstaltungen mit Filmvermittlung im Unterricht auseinandergesetzt und für ihre Klassen Unterrichtseinheiten rund um die Filmen aus dem diesjährigen Programm entwickelt.

Ausklang mit den Kooperationsprogrammen

Spatzenkino Logo (c) JugendKulturService gGmbH   

 

 

Die Kinotüren zum Spatzenkino, dem Kinderfilm des Monats und Kino ab 10 stehen noch bis Mitte Dezember 2018 offen. Die Filmprogramme bieten im Rahmen der SchulKinoWochen Berlin ein zusätzliches Angebot für Schüler*innen und Kindergartenkinder. Im Herbst nächsten Jahres gehen die Berliner SchulKinoWochen dann in ihre 16. Runde und laden Berliner Grund- und Oberschulklassen wieder zu zwei Wochen voller Spannung, Emotion und großem Kino ein. Programminformationen sind ab dem neuen Schuljahr erhältlich.